Das Denkmal zum Völkermord an den Armeniern "Dieser Schmerz betrifft uns alle" wird betrachtet. Im Hintergrund der Koelner Dom.
Wuppertal, 24. April 2018
Zum heutigen Genozid-Gedenktag und zum aktuellen Verbot öffentlichen Erinnerns in Köln



Heute jährt sich zum 113. Mal der Beginn des Genozids an den Armenier*innen. Am 24. April 1915 starteten auf Befehl des jungtürkischen Innenministers Talat Pascha die Deportationen und Massaker an der armenischen Zivilbevölkerung im Osmanischen Reich. Die Verbrechen geschahen mit Wissen, Duldung und teilweiser Unterstützung des Deutschen Reiches, welches mit den jungtürkischen Machthabern verbündet war, und mündeten in die Vertreibung der letzten armenischen Überlebenden in die mesopotamische Wüste, wo sie qualvoll an Durst, Hunger und Erschöpfung starben.
Der deutsche Schriftsteller und Jurist Dr. Armin T. Wegner war zu dieser Zeit als Sanitäter in der Deutsch-Ottomanischen Militärmission und wurde zum Augenzeugen, literarischen und fotografischen Dokumentator und öffentlichen Ankläger der Verbrechen. Für das , was er sah, gab es damals noch kein Wort - Begriffe wie "Völkermord" oder "Verbrechen gegen die Menschheit" wurden erst viel später bekannt. Wegner nannte das beispiellose Verbrechen damals hellsichtig "Die Austreibung der Menschheit" und erinnerte sein ganzes Leben lang öffentlich daran.

In Verbundenheit mit den Armenier*innen weltweit und in Erfüllung von Armin T. Wegners Botschaft und Vermächtnis ist ein Schwerpunkt unserer Arbeit als Armin T. Wegner Gesellschaft die ständige Erinnerung an den Genozid, die Solidarität mit den Nachkommen der Opfer und die Überwindung von Verdrängung und Leugnung bei den Nachkommen der Täter.

Dass der deutsche Bundestag sich in seiner Völkermord-Resolution 2016 endlich zu dieser Erinnerung bekannte, und dass er darin ausdrücklich auch auf die Mitverantwortung des Deutschen Reiches hinwies, daran hat auch das stetige Engagement der Armin T. Wegner Gesellschaft seinen Anteil.

Um so beschämender ist der aktuelle Umgang der Stadt Köln mit diesem Erinnerungsauftrag:
Soeben wurde dort das neue Genozid-Denkmal der Initiative "Völkermord erinnern" nahe dem Reiterdenkmal Kaiser Wilhelms II. an der
Hohenzollernbrücke - s. beiliegendes Foto - von der Stadt beseitigt. Die "Begründung" der Kölner Stadtverwaltung ist nicht weniger empörend. Sie schreibt: "Aufgrund des hohen Konfliktpotentials ist eine Erinnerung an den Genozid im öffentlichen Raum generell zu vermeiden."
Dass das zuständige Kölner Verwaltungsgericht diese Begründung "vollumfänglich" rechtfertigt, ist ein Skandal!
Die Armin T. Wegner Gesellschaft sieht darin - wie die Initiative "Völkermord erinnern" - eine "erinnerungspolitische Katastrophe" und schließt sich auch dem zum Thema ausgewiesenen Experten Jürgen Gottschlich an. Der Türkei-Korrespondent der Tageszeitung "taz" schreibt dort am heutigen Tag dazu: "Wenn das Schule macht, wird womöglich auch das Gedenken an den Holocaust wegen des `hohen Konfliktpotentials`noch einmal ganz neu diskutiert werden müssen".

Die Aufgabe unserer gesamten Gesellschaft ist, durch Erinnerung ohne Hass und durch Verständigung Konflikte zu vermindern und zu überwinden - nicht, vor ihnen davon zu laufen!

"Erinnerung ist das Geheimnis der Erlösung" (Martin Buber / Armin T. Wegner).

Ulrich Klan

Das Denkmal zum Völkermord an den Armeniern wird in Koeln enthüllt. Im Hintergrund der Koelner Dom.

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"Meine Schreibtafel ist die Erde."

 

 

 

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