17. Oktober bis 18. Oktober 2026 im Lepsiushaus in Potsdam
111 Jahre nach der Vertreibung und Ausrottung der armenischen Bevölkerung im damaligen Osmanischen Reich widmet sich das Programm noch einmal der Verbindung dieses Völkermords mit dem Leben und Schreiben des Armin T. Wegner – ausgehend von dem ihn zutiefst erschütternden Erlebnissen während des Ersten Weltkriegs in der Türkei bis hin zu den zahlreichen Anläufen, das Geschehene, das Gesehene in angemessen dichterischer Form zu gestalten. Im Mittelpunkt stehen dabei der 2020 publizierte Sammelband „Aghet – Totenklage und Gedächtnis des Schreckens. Türken und Armenier 1915“, sowie das darin erstmals veröffentlichte „Armenische Totenlied“ als letzter – und vielleicht eindrucksvollster – Versuch Armin T. Wegners, ein Werk zu schaffen, von dem er glaubte, dass es „zu dem Grausamsten gehören muss, was je über menschliches Elend geschrieben wurde“ …
Programm
Samstag, 17. 10. 2026
18:00 Uhr
Begrüßung und Einführung
durch Ulrich Klan, den Vorsitzenden der Armin T. Wegner Gesellschaft
18:15 Uhr
Vortrag
„Am Tage des Kriegsausbruchs war ich der einsamste Mensch“. Armin T. Wegner im Ersten Weltkrieg.
Der Vortrag von Dr. Michael Obst fasst anhand überwiegend zeitgenössischer Quellen das „Kriegserlebnis“ von Wegner zusammen, von seiner Reaktion auf den Kriegsausbruch über seine Tätigkeit als Sanitäter an der Ostfront und bei der deutschen Militärmission im Osmanischen Reich, seine Zeitzeugenschaft des Völkermords an den Armeniern und seine Entwicklung während seiner Tätigkeit bei der halbamtlichen Zeitung „Der Neue Orient“ bis zur Novemberrevolution.
Buchvorstellung und Vorträge
„Aghet – Totenklage und Gedächtnis des Schreckens. Türken und
Armenier 1915″
Dr. Roy Knocke, der Direktor des Lepsiushauses stellt den darin veröffentlichten Essay von Dr. Rolf Hosfeld vor: „Tödliche Ethnopolitik und Nationsbildung im Ersten Weltkrieg: Der Völkermord an den Armeniern“.
Uli Klan spricht über seine Langzeituntersuchung zu Armin T. Wegners lebenslangem „Ringen um Fassung“, mit dem er über Jahrzehnte das erlebte Grauen der „Austreibung der Menschheit“ in immer neuen Formen zum Ausdruck brachte: „Totenklage für die ermordeten Armenier*innen. Von Notizen und Fotografien des Augenzeugen bis zum Armenischen Totenlied“
20:00 Uhr
Musikalische Lesung aus Armin T. Wegners spätem Werk:
Das Armenische Totenlied
Einführung / Moderation und Musik: Ulrich Klan
Lesung: Gina Maiwald
„Das Armenische Totenlied“ (vollständiger Titel: „Das Armenische Totenlied. Flucht und Leiden des Knaben Mihran Hamparzun oder Der Untergang eines Volkes in der Syrischen Wüste“) ist ein großes Versepos des deutschen Schriftstellers und Augenzeugen Armin T. Wegner. Es ist sein letztes und literarisches Werk über den Völkermord an den Armeniern und wurde 2020 erstmalig in dem Sammelband „Aghet“ veröffentlicht.
Wegner schildert die Schrecken des Völkermordes aus der Perspektive eines Kindes. Im Mittelpunkt steht die Flucht und das unsägliche Leid des jungen armenischen Knaben Mihran Hamparzun. Das Epos beschreibt den Untergang des armenischen Volkes in der syrischen Wüste und ist zugleich ein Mahnmal gegen Hass, Gewalt und Rache. Es blieb lange unveröffentlicht und wurde erst spät der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, unter anderem durch Lesungen anlässlich der Armin-T.-Wegner-Tage in Wuppertal.
Sonntag, den 18.10.2026
11:00 Uhr – ca. 13:00 Uhr
Matinee – Filmvorführung:
The Cut
Einführung und Gesprächsleitung: Dr. Hayk Martirosyan (Lepsiushaus Potsdam)
Fatih Akins aufwendiger historischer Film spielt zwischen 1915 und 1923 und erzählt von der ebenso verzweifelten wie ergreifenden Suche eines Vaters nach seinen Zwillingstöchtern, die in den Kriegswirren verloren gegangen sind. Mardin, 1915: In einer Nacht werden alle armenischen Männer von der türkischen Gendarmerie zusammengetrieben – so auch Nazaret Manoogian (Tahar Rahim), der mit seiner Frau und seinen Zwillingstöchtern im türkischen Teil des Osmanischen Reiches lebt. Der junge Schmied wird gewaltsam von seiner Familie getrennt und in die Wüste entführt, wo er Zwangsarbeit verrichten muss. Daraufhin sollen die Arbeiter alle getötet werden – mit Messern, um Munition zu sparen. Nazaret überlebt durch viele glückliche Umstände mit durchgetrennten Stimmbändern und befindet sich fortan auf der Flucht ohne Ziel. Er verliert alles, was er hat: seine Familie, sein Zuhause, seine Sprache.
Nach Irrungen und Wirrungen erfährt der traumatisierte Armenier, dass auch seine totgeglaubten Zwillingstöchter den Völkermord überlebt haben. Von unendlicher Liebe und Sehnsucht angetrieben begibt er sich auf eine rastlose Suche nach seinen Kindern. Die Spur führt ihn von der syrischen Wüste, über Havanna bis in die Prärie North Dakotas …


